Presse

Hessischer Rundfunk

Beitrag der Redaktion Meridian

3. November. 2003

Von Dietrich Sondermann

Vielen von uns sind Menschen mit einer geistigen Behinderung fremd, wenn nicht sogar unheimlich. Wir sind unsicher, wie wir uns im Umgang mit ihnen verhalten sollen. Ihr Anders-Sein in vielen Bereichen wird vielfach sogar als Unfähigkeit abgetan. Dass Menschen mit einer Behinderung erstaunliches leisten können wenn sie gefordert und gefördert werden, das beweist ein Projekt in Bonn. Dort geben Frauen und Männer mit Down-Syndrom seit fünf Jahren eine Zeitschrift heraus. Das Down-Syndrom – ein genetischer Defekt, der früher auch als Mongolismus bezeichnet wurde – beeinflusst die geistige und körperliche Entwicklung. Dass davon Betroffene aber nicht auf der Stufe von Kleinkindern stehenbleiben, sondern erstaunliche Leistungen vollbringen können hat Dietrich Sondermann erfahren.

Nicht jeder Mensch mit Down-Syndrom hat das Zeug bei einer Zeitung mit zu arbeiten. Die Interessen sind bei ihnen genau so breit gefächert, wie bei anderen Menschen auch. Aber alle, die bei Ohrenkuss mitmachen, setzen sich voll für diese Aufgabe ein:

Katja de Bragança: Das ist insofern eine Elite, weil das die Menschen sind, die zufällig auch das Down-Syndrom haben, die gerne schreiben. Für die ist Schreiben ihr Leben.

Katja de Bragança hat das Projekt Ohrenkuss ins Leben gerufen. Mit der Zeitung will sie Menschen mit dem Down-Syndrom eine Plattform bieten, ihre Fähigkeiten zu entdecken und weiter zu entwickeln. Und das ist bei denen die für Ohrenkuss arbeiten das Schreiben.

Eine dieser Autorinnen ist Angela Fritzen. Die 29-Jährige schreibt schon seit ihrer Kindheit mit Hand und mittlerweile auch auf der Maschine. Unter anderem gestaltet sie im Ohrenkuss die Witzseite und kann spontan einen zum Besten geben:

Angela Fritzen: “Verdammt! ruft die Giftschlange, mit mir geht's zu Ende. Warum sagst du das, fragt die andere Giftschlange. Weil ich mich in die Zunge gebissen habe.“

Auch ihre 23-jährige Kollegin Svenja Giesler schreibt seit vielen Jahren ihre eigenen Texte und Gedichte. Die Redaktionssitzungen und die Zeitung bedeuten ihr viel:

Svenja Giesler: “Also es geht nämlich darum, dass wir halt eben neue Themen entwickeln und halt eben, dass wir ausschließlich, wir machen ja auch Lesungen, dass wir auch viel Reisen. Für mich ist es auch ganz wichtig, dass überhaupt machen zu können; außerdem ist es eh auch wichtig, dass auch andere meine Texte und auch mein Gedicht auch lesen können.“

Sie hat ihre Lieblingsthemen und zu denen gab es jeweils schon eine Ausgabe des Ohrenkuss. Die haben ihr besonders Spaß gemacht:

Svenja Giesler: “Bei Liebe auf jeden Fall aber auch so bei Essen auch.“

Die Reportage über einen Ausflug ins Bergische Land berichtet davon:

Svenja Giesler: “... Pflaumenmus und Milchreis mit Zucker; dann hab' ich den Stuten versucht. Mit Quark - ok. Landgraubrot mit Butter und Käse, gekochter Knochenschinken war auch noch dabei, war auch nicht schlecht.“